Zitadelle und Mauerringe
Vom Kastell zur befestigten Stadt
Wilhelm II. von Villehardouin ließ 1249 auf dem Gipfel eine fränkische Burg errichten. Der steile Kegel war militärisch attraktiv, weil er die Ebene von Sparta überblickte und Zugänge in mehrere Richtungen kontrollierte. Nach dem Übergang an Byzanz 1262 blieb die Burg bestehen, doch unter ihr wuchs eine zivile Siedlung.
Die neue Stadt brauchte eigene Schutzlinien. So entstand keine einzige geschlossene Mauer um einen kompakten Stadtkern, sondern ein gestaffeltes System, das auf die Hangform reagierte. Oberstadt, Unterstadt und Gipfelburg konnten unterschiedlich gesichert werden.
Die Zitadelle auf dem Gipfel
Der höchste Punkt bewahrte die militärische Kernfunktion. Die Burg folgte der unregelmäßigen Form des Felsens und war von Natur aus an mehreren Seiten schwer zugänglich. Spätere Herrscher verstärkten und veränderten die Anlage, insbesondere als Feuerwaffen neue Anforderungen an Befestigungen stellten.
Im Inneren sind Reste von Gebäuden, Zisternen und Funktionsräumen erkennbar. Sie erinnern daran, dass eine Zitadelle nicht nur aus Mauern bestand. Wasserbevorratung, Lagerung und Unterkunft mussten auch während einer Belagerung funktionieren.
Der Blick von oben ist historisch besonders aufschlussreich. Die Ebene des Eurotas liegt offen unter dem Hügel, während der Taygetos den westlichen Horizont schließt. Diese Aussicht erklärt die Wahl des Ortes besser als jede Grundrisszeichnung.
Oberstadt und ihre Tore
Die Oberstadt lag unmittelbar unterhalb der Zitadelle und nahm den Palastbezirk auf. Ihre Mauern schützten den politisch sensiblen Bereich und trennten ihn von der dichter bewohnten Unterstadt. Der Zugang war über mehrere Tore geregelt.
Die Namen Nafplio-Tor und Monemvasia-Tor verweisen auf regionale Verbindungen. Sie sind keine dekorativen Bezeichnungen, sondern spiegeln Verkehrsrichtungen, die Mystras mit anderen Zentren des Peloponnes verknüpften. Die Stadt war Teil eines Netzes aus Straßen, Burgen und Verwaltungsorten.
Beim Rundgang sollte man darauf achten, wie Wege durch Engstellen geführt werden. Steile Abschnitte, Mauerknicke und Türme nutzen das Gelände als zusätzlichen Schutz. Die Topographie war selbst ein Verteidigungsmittel.
Unterstadt: Schutz für Alltag und Klöster
Die Unterstadt breitete sich auf sanfteren östlichen Hängen aus. Hier waren Schutzmauern schwieriger zu verteidigen, weil das Gelände weniger steil war. Türme verstärkten deshalb besonders gefährdete Abschnitte.
Mehrere wichtige Klöster lagen nahe der Mauer und wurden in das Verteidigungssystem einbezogen. Peribleptos markierte einen südöstlichen Abschnitt, Brontochion einen nördlichen Bereich. Dadurch greifen sakrale und militärische Architektur unmittelbar ineinander.
Heute sind die Mauern nicht überall gleich gut erhalten. Gerade Lücken helfen jedoch zu verstehen, wie weit die historische Stadt reichte. Wer nur zwischen den berühmten Kirchen geht, unterschätzt ihre frühere Größe.
Besuch der Befestigungen
Für die Zitadelle braucht man Kondition und feste Schuhe. Die historischen Steinwege sind uneben, und der Höhenunterschied ist deutlich größer als bei einem normalen Burgbesuch. Im Sommer ist ein früher Start sinnvoll.
Wer die Festung nicht erklimmen möchte, kann die Verteidigungsstruktur trotzdem gut erfassen. Oberstadt, Tore und Mauerreste liegen entlang der normalen Besichtigungswege. Die Zitadelle ist der stärkste Aussichtspunkt, aber nicht die einzige Stelle, an der sich die Stadtplanung ablesen lässt.
