Byzantinischer Regierungssitz
Warum der Palast eine eigene Besichtigung verdient
Der Komplex entstand nicht in einem einzigen Bauprojekt. Vom späten 13. bis in das 15. Jahrhundert wurden Gebäude erweitert, verbunden und den Bedürfnissen wechselnder Herrscher angepasst. Dadurch lässt sich an den Fassaden eine Entwicklung vom befestigten Residenzbau zum repräsentativen Palast ablesen.
Seine Seltenheit ist außergewöhnlich. Während zahlreiche byzantinische Kirchen erhalten blieben, gingen weltliche Paläste viel häufiger verloren oder wurden vollständig überbaut. Mystras bewahrt deshalb einen seltenen Blick auf höfische Architektur außerhalb Konstantinopels.
Kantakouzenos und Palaiologen
Ein wichtiger zweigeschossiger Flügel wird mit der Kantakouzenos-Zeit des 14. Jahrhunderts verbunden. Als Mystras 1348 zum Sitz des Despotats wurde, musste die Residenz mehr leisten als eine normale Gouverneurswohnung. Räume für Verwaltung, Empfang und Hofleben gewannen an Bedeutung.
Im 15. Jahrhundert erweiterten die Palaiologen die Anlage um einen großen dreigeschossigen Trakt. Dieser Flügel steht für die letzte politische Blüte von Mystras. Seine Dimensionen wirken umso bemerkenswerter, weil das Byzantinische Reich gleichzeitig in anderen Regionen stark schrumpfte.
Die verschiedenen Baukörper bilden schließlich einen L-förmigen Komplex. Wer davorsteht, sollte nicht nach einer symmetrischen Schlossfassade suchen. Der Palast ist das Ergebnis schrittweiser Anpassung an Hang, bestehende Bauten und neue repräsentative Ansprüche.
Chrysotriklinio: der Thronsaal
Im obersten Geschoss des Palaiologen-Flügels lag ein langgestreckter repräsentativer Saal, der als Chrysotriklinio bezeichnet wird. Er war der wichtigste zeremonielle Raum des Palastes und bot den Despoten eine Bühne für Herrschaft.
Die Bezeichnung erinnert an kaiserliche Palasttraditionen, doch Mystras war kein zweites Konstantinopel. Gerade die Übertragung höfischer Formen in ein regionales Machtzentrum ist historisch interessant. Sie zeigt, wie eng die Despoten ihre Herrschaft an die byzantinische Kaiserkultur banden.
Bei einer heutigen Besichtigung ist weniger eine vollständig rekonstruierte Innenausstattung zu erwarten als ein restaurierter Baukörper, der Volumen und Raumfolge wieder verständlich macht. Die Wirkung entsteht aus Architektur, Platz und Lage zusammen.
Der Phoros vor dem Palast
Vor dem Palast öffnet sich ein großer Platz, der Phoros. Er war ein öffentlicher und politischer Raum, in dem Bewohner vor dem Herrscher zusammenkommen konnten. Damit besaß Mystras ein urbanes Zentrum, das deutlich über die Funktion eines Klosterorts hinausging.
Die Hauptstraße der Oberstadt berührte diesen Bereich. Besucher können deshalb an einem einzigen Punkt Verwaltung, Verkehr und Repräsentation zusammendenken. Der Platz macht den Palast zu einem Teil der Stadt und nicht zu einer isolierten Burgresidenz.
Von hier lässt sich außerdem gut nachvollziehen, wie nah politische und religiöse Architektur lagen. Agia Sophia befindet sich in unmittelbarer Umgebung und war eng mit dem Hof verbunden.
Restaurierung und heutige Wirkung
Der Palast wurde über Jahrzehnte restauriert. Solche Eingriffe sind für Mystras grundsätzlich wichtig, weil Mauern, Dächer und Oberflächen dauerhaft gegen Witterung und Erdbebenrisiken gesichert werden müssen. Der Bau ist deshalb stärker konserviert als viele offene Wohnruinen der Unterstadt.
Wenn man den Palast besucht, sollte man ihn nicht nur als Einzelmonument fotografieren. Die besten historischen Fragen entstehen im Vergleich mit der Zitadelle über ihm und den dicht liegenden Häusern und Kirchen unterhalb. Genau diese Staffelung erklärt die soziale Struktur der Stadt.
